Was Angler ans Wasser zieht

Bevor der Mensch lernte, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, ernährte er sich, indem er Früchte, Nüsse, Samen und andere Naturprodukte sammelte und auf die Jagd ging. Auch Fische gehörten zur Beute der Steinzeitmenschen. Das Interesse an der Jagd und am Fischfang ist bis heute geblieben. Allerdings geht es dabei längst nicht mehr nur um die Versorgung mit Nahrung.

VON JÜRGEN WENDLER

Berlin. Nach Angaben des Deutschen Sportfischerverbandes gibt es hierzulande mehr als eineinhalb Millionen Menschen, die angeln. Und folgt man Studien, die in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht worden sind, so geschieht dies in der Regel nicht in erster Linie, um Fische zu fangen, sondern um sich am Wasser zu entspannen und die Natur zu genießen. Psychologen und Biologen des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnen- fischerei sowie der Berliner Humboldt Universität wollten es nun jedoch ganz genau wissen. Ihre Untersuchung, deren Ergebnisse sie im „North American Journal of Fisheries Management" veröffentlicht haben, belegt, dass Hobbyangler längst nicht gleich Hobbyangler ist, sprich: Es gibt die unterschiedlichsten Motive und Verhaltensweisen.
Rund 1200 Angler aus Mecklenburg-Vorpommern führten ein Jahr lang im Interesse der Wissenschaft ein Angeltagebuch, aus dem hervorging, welche Gewässer und Fischarten sie bevorzugten. Auf dieser Grundlage konnten die Forscher um den Professor Robert Arlinghaus einen auf die jeweilige Person zugeschnittenen Fragebogen entwickeln. Ziel war es dabei, ein genaues Bild von den Beweggründen zu erhalten.
Am Ende konnten die Wissenschaftler fünf Typen von Anglern unterscheiden.

Einer davon, der „naturorientierte Typ", sei tatsächlich vor allem auf das Erholungserlebnis in der freien Wildbahn aus, heißt es!!!!

Dem „Trophäenjäger" hingegen gehe es hauptsächlich darum, „kapitale Brocken" an den Haken zu bekommen????

Ein dritter Typ zeichnet sich nach Darstellung der Forschergruppe besonders dadurch aus, dass er Herausforderungen sucht, das heißt: Er nutzt gern anspruchsvolle Techniken und hat es auf vergleichsweise schwer zu fangende Fischarten abgesehen!!!!

Für den „sozialen Typ" steht dagegen das Zusammensein mit anderen Menschen im Vordergrund!!!!

Während der sogenannte „ Versorgungsangler“ vor allem an Fischen für den eigenen Verzehr interessiert ist!!!!

Hilfe für Fischereimanager
Besonders große Bedeutung misst die Forschergruppe um den Fischerei-Experten Arlinghaus der Erkenntnis bei, dass das Fische fangen für fast alle Angler eine wichtige Rolle spielt. Sie ließen sich damit in gewisser Weise mit Fußballfans vergleichen. Für diese verliere das Freizeiterlebnis an Wert, wenn keine Tore fielen. Fischereimanager seien gut beraten, die Erkenntnisse zu den Beweggründen von Anglern bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen, erklären die Berliner Wissenschaftler. Es zeige sich immer wieder, dass Fangbeschränkungen auf starken Widerstand von Anglern stießen. Deshalb sei es wichtig, die genauen Bedürfnisse der Angler am jeweiligen Gewässer zu kennen. Heutige Angler verfügen über anspruchsvolle Ausrüstungen, zu der unter anderem Angelruten, Rollen für Schnüre und Haken gehören, die mit Ködern bestückt werden können. Vom Prinzip her ähnlich verfuhren bereits die Menschen der Steinzeit, Forscher haben unter anderem herausgefunden, dass Mensch in Südafrika vor etwa 14 000 Jahren mit Knochenstückchen angelten, die an beiden Seiten angespitzt und mit Ködern bestückt waren. Wenn ein Fisch den Köder verschluckte, blieb das Knochenstück, das sich vermutlich an einer Angelschnur aus Tiersehnen befand, im Körper stecken.
Im vergangenen November berichtet Wissenschaftler um Sue O'Connor von der Australian National University in Canberra im Magazin „Science" , dass Menschen bereits vor 42000 Jahren in den Gewässer zwischen Australien und Südostasien auf Fischfang gegangen seien. Ihre Erkenntnis: verdankten sie Überresten von Hochseefischen, die sie in Osttimor entdeckt hatten. Auf der Insel Timor haben Forscher außerdem aus Knochen geschnitzte Angelhaken gefunden, von denen der älteste möglich weise bis zu 23 000 Jahre alt ist.
Quelle Weser Kurier / Bremer Nachrichten